Tür verwechselt?

Tja – ich würde sagen, wer es „unanständig“ findet, die geheimen Tagebücher von jemandem zu lesen, sollte SOFORT wegklicken und diesen Blog hier nicht mehr abonnieren.
Alle anderen: Holt euch Popcorn und freut euch auf interessante Einblicke in die Psyche von … ach, das könnt ihr selber raten 🙂 Viel Spaß!

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„Das ist ein Mädchenklo, du Hirni!“
Ja, leider.
„Du hast mir wehgetan, du …“ , murmelte die Dicke, die L. mit dem Kopf ins Klo hatte tauchen wollen. Ich wollte mich wirklich nicht eingemischt haben, aber ich hatte den Anblick der fetten Hand auf Ls Nacken einfach nicht ertragen.
Und jetzt erkannte ich mich selbst kaum wieder. Im echten Leben würde ich niemals „fette Schlampe“ zu jemanden sagen, und ich würde sicher auch kein Mädchen quer durch das Mädchenklo zerren, egal, wie widerwärtig es sich auch verhalten würde. Aber das hier war nicht das echte Leben, und ich schnaubte vor Zorn, als ich in die dummen Gesichter dieser minderjährigen Monster blickte. Wenigstens hatten sie Angst vor mir – vermutlich, weil ich einfach aus dem Nichts aufgetaucht war.

„Ihr seid wirklich das Letzte!“, sagte ich. „Vier gegen eine. Und sie ist viel kleiner als ihr. Verschwindet jetzt, bevor ich eure hässlichen Köpfe in die Kloschüssel stecke!“
Das ließen sie sich glücklicherweise nicht zweimal sagen, sie drehten sich um und rannten hinaus. Vor der Tür hörte man sie mit dem vierten Mädchen sprechen, dann entfernten sich ihre aufgeregten Stimmen, und es war still.
L. lehnte mit dem Rücken an der Kabinenwand und atmete heftig. Sie sah aus wie ihre kleine Schwester, ich schätzte sie auf höchstens dreizehn, was mich in meiner Überzeugung bestärkte: Das hier war mehr als ein gewöhnlicher Albtraum, es war eine böse Erinnerung. Wahrscheinlich träumte sie das öfter, vielleicht sogar jede Nacht.
Deshalb war sie auch so verwirrt, mich zu sehen.
Ich strich ihr vorsichtig die hellen Haare aus der Stirn. Aus irgendeinem Grund war ich immer noch fürchterlich wütend. Von wegen, nur Jungs sind gewalttätig – diese Mädchen waren schlimmer als alle Jungs gewesen, die ich bisher kennengelernt hatte. Und L. sah so jung und zart und verletzlich aus. „Hey, es ist alles gut“, sagte ich.
„An dieser Stelle tunken sie immer meinen Kopf ins Klo“, sagte L. „Und du gehörst nicht hierher.“
Ja, absolut richtig. Lange dauerte es nicht, bis sie endgültig begriff, was los war.
„Das ist ein Traum, oder? Denn das hier ist Berkeley, und in Berkeley kannte ich dich noch gar nicht.“
Berkeley, also. Interessant – die Klos sahen offenbar auf der ganzen Welt gleich aus. „Warum zur Hölle träumst du denn so was?“ Ich merkte gar nicht, dass ich sie immer noch streichelte.
„Weil es genau so passiert ist. Vor drei Jahren in Berkeley. Nur, dass mich da keiner gerettet hat.“ Sie schauderte.
Ich ebenfalls. Nicht auszudenken, was sie mit ihr angestellt hatten. „Deshalb siehst du so jung aus.“ Ich lächelte sie an. „Süß. Diese Zahnspange.“
Sie fuhr sich mit der Zunge über die Zähne, und verwandelte sich innerhalb von einer Sekunde in die L. von heute. In mein unbeschreiblich schönes Käsemädchen.
Ich lehnte mich an die gegenüberliegende Kabinenwand und verschränkte meine Arme. „Du bist ganz schön gewachsen in den letzten drei Jahren.“
„Ja, leider auch an der Nase.“ Sie sah an mir vorbei in den Spiegel und strich sich über den Nasenrücken. Ich glaube wirklich, sie weiß gar nicht, wie schön sie ist.
„Ich mag deine Nase“, sagte ich.
„Ja, vielleicht, weil deine auch zu lang ist.“ Wie immer, wenn sie mich anlächelte, breitete sich dieses warme, seltsame Gefühl in meinem Magen aus.
„Was suchst du eigentlich hier?“, wollte sie wissen. „Das ist mein ganz persönlicher Albtraum und das Mädchenklo. Du hast hier nichts verloren.“
Tja, da hatte sie recht. „Meine Nase ist überhaupt nicht zu lang“, versuchte ich sie abzulenken. „Die ist genau richtig. So eine Nase muss schließlich auch zum Rest des Gesichts passen.“ Ich zwinkerte ihrem Spiegelbild zu. „Sollen wir vielleicht woanders hingehen? Hier ist es irgendwie unromantisch.“
„Ja, und mit so hässlichen Erinnerungen verknüpft.“ Sie seufzte. „Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass ich immer noch von dieser Sache träume. Und dass ich mich noch so genau an ihre Gesichter und ihre Stimmen erinnere.“
Sofort stieg wieder Wut in mir auf. Diese Mädchen waren wirklich gruselig gewesen, selbst ich würde ihre brutalen Gesichter nicht mehr vergessen. „Sind sie denn wenigstens von der Schule verwiesen worden?“
Sie schüttelte den Kopf.
Als sie nach ein paar Sekunden noch nicht antwortete, beschloss ich, nicht länger in ihren alten Wunden herumzubohren. „Wir könnten ihnen hinterherlaufen und sie so richtig verprügeln. Jetzt, wo du weißt, dass du nur träumst.“
Sie grinste. „Ach nein. Ich wette, wenn ich sie heute treffen würde, hätte ich nur Mitleid mit ihnen.“ Dann warf sie mir einen herausfordernden Blick zu. „Los, sag schon, was suchst du hier?“
Heute würde ich wohl um ein paar Erklärungen nicht herumkommen.
„Ich wollte dich einfach mal besuchen kommen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass ich in einem Mädchenklo landen würde, im schrecklichsten Moment deines Lebens.“ Ich hielt ihr die Hand hin. „Komm, wir gehen irgendwohin, wo es netter ist.“
Und das taten wir auch. Ich wollte mit ihr in den Korridor, aber sie zog mich durch die Tür hinaus in einen sonnenbeschienenen Park. Er lag hoch oben auf einer Anhöhe, von der man bis hinab aufs Meer schauen konnte.
Offenbar hatte Berkeley auch schöne Ecken. Das hier war der „Indian Rock Park“, das stand jedenfalls auf einem Schild ein paar Meter weiter.
Egal, in welche Richtung ich schaute, es sah alles perfekt aus. Riesige Bäume, blühende Büsche, das Licht der Abendsonne, Felsen, Berge, die Stadt und die Bucht zu unseren Füßen – L. war wirklich gut. Ein Naturtalent. Wenn das kein romantisches Plätzchen war, wusste ich es aber auch nicht.
„Wir haben damals nur ein Stück die Straße hinauf gewohnt“, erklärte sie.
„Nicht schlecht.“ Ich war ehrlich beeindruckt.
„Butter hat hier mal ein Eichhörnchen gefangen“, sagte sie.
„Wer ist Butter?“ Ich ließ mich auf die Bank fallen, und sie setzte sich neben mich, weil wir einander immer noch an den Händen hielten.

Na? Hab ich zu viel versprochen? Den nächsten Teil (da küssen sie sich!!!) gibt es dann morgen hier in diesem Kino. Ihr habt sicher längst erraten, um wessen Tagebuch? Drehbuchentwurf? Fantasyromanfragment? Aufzeichnungen einer Therapiestundenphantasiereise? es sich hier handelt und wer die geheimnisvolle L. ist, oder???? Leider gibt es auf dem USB-Stick sonst nur noch Referate zu so langweiligen Themen wie „Bau und Funktion pflanzlicher Zellorganellen“ oder „Sprachphilosophie und Ästhetik“ – aber falls ihr noch mal so einen USB-Stick findet: Nur her damit!! (Außer, er gehört Hazel das-wäre-selbst-meiner-Oma-zu-langweilig Pritchard.)

Wir sehen uns!

Eure Secrecy

48 Kommentare zu “Tür verwechselt?

  1. Tja, ich weiß auf jeden Fall nicht *hust* von wem der Tagebucheintrag ist…. jeder, der es nicht weiß sollte schnell mal das erste Buch von Silber lesen 🙂

  2. Gott sei dank gibt es dich, Secrecy!! Ich weiß gar nicht, was ich ohne deine brisanten News immer tun würde .. mich sterbens-langweilen wahrscheinlich ! Und naja, wem dieses Geschreibsel gehört ist natürlich eindeutig .. sehr gut auch seine Kommentare zu chinesischen Flussdelphinen 😀 Diese Romantik. Herzzereißend. Buchstäblich. Vor lachen. Kann es kaum erwarten, die nächsten Seiten aus den Tagebuch zu lesen – das ist besser als Kino !

  3. Wow, irgendwie bin ich eifersüchtig, dass ich nicht auf eurer Schule bin. Dann könnte ich Henry damit den lieben langen Tag damit auf ziehen (natüröich nicht böse gemeint). Ich wette, dass alle Mädchen die diesen Artikel gelesen haben (mich natürlich ausgeschlossen) aufgeseufzt haben (okay, ich gebe es zu, ich habe auch aufgeseufzt, aber das ist so herrlich romantisch).

  4. Ich liebe zwar Silber und Secrecy aber man kann es auch mit romantischem Kitsch übertreiben-
    Bin ich die einzige die das so sieht ???????

    • Nein bist du nicht. Ich finde das nicht gerade romantisch und auf Romantik im allgemeinem stehe ich auch nicht. Ich meine der Typ verhaut ein paar Mädchen. Auf einem Klo. Und dann noch diese Delphine. Ich habe nichts gegen sie, es sind die liebeswürdigsten Tiere der Welt aber das hat nichts mit Romantik zutun.

  5. Wuff!
    Voll romantisch 😉 aber ein bisschen surreal, aber deshalb lesen wir es ja! <3
    Wuff bye 😀

  6. Oh, Henry ist mein Lieblingschara.♡
    Er ähnelt mir ein wenig:))
    Wie cool das Kerstin Gier das macht. Vielen , vielen Dank!
    Bin wieder auf diese Seite Gestoßen.
    Wie gut das ich eine Silberhomepage (rpg) habe

  7. Oh Gott!? arum schreibt er so was auf? Das war bestimmt ein Geheimnis, davon wusste niemand etwas! Und warum speichert er es auf dem Stick mit seinen Referaten? Ich glaube ich sollte wirklich mal mit ihm reden. So leichtsinnig….

  8. ohgott, wie süß! ich weiß zwa nicht wessen tagebuch das ist, aber es ist ech niedlich wenn jungs tagebuch schreiben.

  9. Schade, ich hätte so gerne Livs Gesicht gesehen… naja vlt habe ich ja irgentwann nochmal die Chance mit einem anderen Gesicht.

  10. So süß das auch ist, ich bin echt froh, nicht auf die Frognal zu gehen. Wer weiß, was Secrecy sonst noch alles über mich schreiben würde. Das ist echt ein Unding! Und trotzdem lese ich alles begeistert. Ich bin also auch nicht wirklich besser…
    =’D

  11. Hallo Secrecy, da du *hüstel* Grayson ja seeeeehhhr gut kennst, kannst du mir sagen, ob er Tagebuch schreibt und wenn ja, kannst du es bitte veröffentlichen??? So als kleiner Freundschaftsdienst… Ich würd ja echt gerne wissen, was er über mich schreibt…

    • Och der arme Henry… Da schreibt er EINMAL so etwas süßes über (bzw. mit?) ein(/einem) Mädchen und dann wird es veröffentlicht ❤️

  12. Hey Secrecy,
    Könntest du eventuell das Tagebuch von Mia Silber veröffentlichen? Bin mir nähmlich ziemlich sicher , adss sie eins schreibt… Wird bestimmt lusitg 😉 Würd ja schon gerne wissen , in wen sie insgeheim verliebt ist…

  13. Hey Secrecy,
    würdest du vielleicht eventuell auch das Tagebuch von Mia Silber veröffentlichen? Bin mir nähmlich ziemlich sicher , dass sie eins schreibt… Würd ja schon gern wissen, in wen sie insgeheim verliebt ist… Wird bestimmt lustig 😉

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